Dem Paradies so nah
In der Südsee schwimmen, am Strand spielen, in der Lagune entspannen, im Regenwald staunen, am Bali-Tor flirten, im Borneo-Langhaus Cappuccino trinken, die Show genießen, die Beach-Party feiern und den Urlaubstag lieben ... Da der Marzahner Winterdienst noch im Einsatz ist, gerät der Kolumnenschreiber bei diesem Werbetext ins Träumen.
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© Tropical IslandsDas Ziel der Träume liegt nicht etwa zehntausende Flugstunden entfernt. Die Südsee ist ganz nah. 35 Kilometer südlich vom Flughafen Berlin-Schönefeld wurde auf dem früheren sowjetischen Militärflugplatz in Brand ein Projekt für den Bau großer Luftschiffe in den märkischen Sand gesetzt. In der dafür schon errichteten Halle erblüht nach der Insolvenz des Unternehmens seit Ende vergangenen Jahres eine tropische Landschaft. Wo Cargolifter gebaut werden sollten, sind nun die Tropical Islands entstanden. Noch einen Monat lang läuft hier abends eine brasilianische Show, die auch Michael Prestel vom Bundesverein für barrierefreien Tourismus begeistert hat.
Der Verein hat dieses Ausflugsziel für sich entdeckt (kobinet 26.2.05) und will mindestens jedes Vierteljahr einen behindertengerechten Bus für eine Tagestour nach Brand chartern. «Der RegionalExpress RE 2 fährt von Berlin und Cottbus aus stündlich nach Brand (Niederlausitz), die Fahrzeit von Berlin-Alexanderplatz beträgt 50 Minuten», wird auf der Webseite von Tropical Islands geworben.
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© Tropical IslandsDie Idee zu dieser Wohlfühloase hatte der aus Malaysia stammende Geschäftsmann Colin Au. Der 55-Jährige hat im Emsland Kreuzfahrtschiffe bauen lassen und nun vor den Toren Berlins einen in Europa einzigartigen Erlebnispark geschaffen. Da nur die wenigsten Menschen hierzulande sich eine Reise in die sonnigen Tropen und eine Auszeit vom Schmuddelwetter leisten können, hat Au das Prinzip der Kreuzfahrt einfach umgedreht und die Tropen nach Brandenburg gebracht.
Breite Durchgänge, rollstuhlgerechte Toiletten und Umkleidebereiche werden hier als selbstverständlich betrachtet. Rampen und Aufzüge erschließen praktisch jeden Bereich, bis hin zu den mehrstöckigen Häusern im Tropendorf. Eine schöne Vision von Barrierefreiheit tut sich auf. Doch für nicht wenige behinderte Menschen stimmt sie ebenso wenig wie die vom barrierefreien Flugverkehr, über den nach einem Papier der Europäischen Kommission in Brüssel und Straßburg jetzt erfreulicherweise beraten werden soll. Wer in Heimen weggesperrt ist, kann nicht reisen, selbst wenn sich die Bedingungen dafür nach dem europäischen Motto «Verkehr nach menschlichem Maß» schrittweise verbessern. Frantek